Die HASE – Das bedeutendste Nebengewässer der Ems

Vom Teutoburger Wald ins Emsland

Die Hase ist das bedeutendste Nebengewässer der Ems.  Sie  entspringt im Osnabrücker Hügelland und fließt dann durch das Nordwestdeutsche Flachland. Entsprechend unterschiedlich ist die Ausprägung der Hase und ihrer Zuflüsse. Ihr Wasser fließt mal über Kalk-, mal über Sandstein, mal über Sand und Lehm, durch Endmoränenlandschaften und Moorregionen. Das Gewässernetz der Hase bietet nicht nur ganz unterschiedlichen Tier- und Pflanzenarten, einen Lebensraum. Hier haben sich über die Jahrtausende auch Menschen niedergelassen und Siedlungen gebildet. Städte wie etwa Osnabrück, Bramsche, Quakenbrück, Löningen, Haselünne und Meppen entwickelt. Die Hase durchfließt auf ihrem Weg zwischen Teutoburger Wald und Ems fünf Landkreise, die kreisfreie Stadt Osnabrück und 16 Kommunen.

Die Hase ist zudem bis in die 80er-Jahre des letzten Jahrhundert umfangreich ausgebaut, begradigt und eingedeicht worden. Der natürliche Überschwemmungsbereich der Hase mit Weich- und Hartholzaue ist fast vollständig zerstört worden und durch den Bau des Alfsees sind die Abflussverhältnisse in weiten Teilen stark regulierbar. In der Quell- und der Unterlaufregion finden sich noch größere naturnahe Bereiche. Und gemeinsam packen die Akteure des Haseauenverein an, um der Hase, ihren Zuflüssen und ihren Auen mehr Naturnähe und somit Effizienz zurückzugeben.

Die Hasequelle

QuelleIm Teutoburger Wald
zwischen Wellingholzhausen und Dissen
MündungEms bei bei Meppen
Höhenunterschied152 m, Von dieser Fläche liegen 96,2 % in Niedersachsen und 3,8 % in Nordrhein-Westfalen.
Einzugsgebiet3086 m2
ZuflüsseKönigsbach, Wierau, Belmer Bach, Nette, Düte, Bühner Bach, Nonnenbach, Thiener Mühlenbach, Lager Hase, Eggermühlenbach, Löninger Mühlenbach, Calhorner Mühlenbach, Mittelradde, Teglinger Mühlenbach, Südradde u.a
GebieteLandkreis Osnabrück, Stadt Osnabrück, Kreis Steinfurt, Landkreis Cloppenburg, Landkreis Vechta und Landkreis Emsland

Die „Hasequelle“ im Puschkental südlich von Wellingholzhausen ist mit 163 m die höchstgelegene und damit „offizielle“ Quelle der Hase, obwohl sie im Sommer häufig trocken fällt. Sie liegt ca. 2,6 km südlich von Wellingholzhausen. Zunächst schlängelt sich das Rinnsal namens Hase durch Wiesen, bis sie den Wald erreicht. Hier fließt die Hase noch ganz natürlich und wird von einem Auwald mit Quellbereichen begleitet.Etwa einen Kilometer unterhalb der Hasequelle entspringt die „Almaquelle“ oder „Schwarze Welle“ als Tümpelquelle im Wald. Sie ist mit ca. 200 l/min der wichtigste Wasserspender für die Hase. Leider ist diese stark schüttende Quelle gefasst. Im Naturdenkmal „Blauer See“ sammelt sich das Wasser mehrerer Quellen. Aufgrund des hohen Kalkgehaltes schimmert das Wasser mitunter türkis blau. In den Sommermonaten kommt es aber auch vor, dass er trocken fällt. Die Hase umfließt den auf 111 m Höhe gelegenen und über einen Kanal durch Hasewasser gespeisten Kronensee.

Die „Kleine Rehquelle“ und die „Große Rehquelle“ bilden kleine Quellbäche. Diese bieten auch  Pflanzen und Tieren, die einen hohen Anspruch an ihre Umwelt stellen, einen Lebensraum. Larven von Feuersalamandern und Steinfliegen profitieren von dem klaren, sauerstoffreichen Wasser. An den feuchten Ufern gedeihen u.a. Milzkraut und Schlüsselblume. Das gesamte Gebiet steht als NATURA 2000 Gebiet unter Naturschutz.

Kalktuffquellen gehören zu den besonders geschützten Lebensraumtypen. Sie sind sehr selten und auch europaweit von besonders großer Bedeutung. Es handelt sich um Quellen oder Abschnitte von Quellbächen mit sehr kalkhaltigem Wasser. Durch chemische Abläufe fällt der gelöste Kalk aus und lagert sich am Gewässergrund oder an Pflanzen, besonders an Moosen, ab. Passiert dies in großem Stil, entstehen Sinterterassen, in denen das Wasser kaskadenartig abfließt. Niedersachsens großflächigste Kalksinterterrassen locken viele Besucher in den Teutoburger Wald Terra-Tipp Kalksinterterrassen.

Etwa einen Kilometer unterhalb der Hasequelle entspringt die „Almaquelle“ oder „Schwarze Welle“ als Tümpelquelle im Wald. Sie ist mit ca. 200 l/min der wichtigste Wasserspender für die Hase. Leider ist diese stark schüttende Quelle gefasst. Im Naturdenkmal „Blauer See“ sammelt sich das Wasser mehrerer Quellen. Aufgrund des hohen Kalkgehaltes schimmert das Wasser mitunter türkis blau. In den Sommermonaten kommt es aber auch vor, dass er trocken fällt. Die Hase umfließt den auf 111 m Höhe gelegenen und über einen Kanal durch Hasewasser gespeisten Kronensee.

Bifurkation: Eine merkwürdige Flussteilung

Kurz oberhalb von Gesmold bildet die Hase eine Bifurkation. Hier zweigt die Else von der Hase ab, wodurch etwa 2/3 ihres Wassers  in das Flusssystem der Weser abfließen. Bis heute ist nicht geklärt, ob diese Abzweigung künstlich angelegt wurde, um den Wassermühlen des Schlosses Gesmold mehr Wasser zuzuleiten.

An der Bifurkation wurde seit 2000 ein toller Umweltbildungsstandort entwickelt. Und auch beim Terra-Tipp Bifurkation gibt es weitere Informationen. Alljährlich findet hier am ersten Sonntag im Mai der Bifurkationstag statt. Da treffen sich Radfahrer, Familien und Naturfreunde zu einem spannenden Fest mit umweltpädagogischen Mitmachaktionen, Konzerten und Leckereien. Die weitreichenden Weiden rund um diesen markanten Ort werden extensiv beweidet und dienen Wiesenvögeln wie Kiebitz, Feldlerche aber auch den Grasfröschen als Refugium.

Zwischen Teutoburger Wald und Wiehengebirge wendet sich die Hase nach Westen bzw. Nordwesten. Bei sich ständig verringerndem Gefälle nimmt sie auf diesem Wege aus dem Bereich des Wiehengebirges die Wierau, den Belmer Mühlenbach und die Nette auf.

Die Bifurkation bei Gesmold

Der Fluss in der Stadt Osnabrück

Siedlungen entstanden in der Nähe von Bächen und Flüssen. Osnabrück und auch andere Städte verdanken ihre Entwicklung dem Fluss Hase. Sie diente zur Versorgung mit Trinkwasser, als Fuhrweg und Schutz, der Be- und Entwässerung und zum Antrieb von Wassermühlen. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Flusssystem Hase stark verändert.
Bereits im Mittelalter wurden Fliessgewässer in Handarbeit zu den Mühlen umgelenkt. Nach dem Verlassen der Stadtgrenze biegt die Hase in einem weiten Bogen nach Norden und wird auf diesem Abschnitt durch die wasserreiche Düte verstärkt. Sie kreuzt bei Achmer durch einen Düker den Mittelland-Kanal. Der im Gehn entspringende Bühner Bach mündet in die Hase bevor diese die Stadt Bramsche durchfließt.

Von einer Gletscherzunge geformt

Das flache Becken zwischen Dammer Bergen und Artländer Höhen wurde in der letzten Eiszeit von einer Gletscherzunge geformt. Das durchschnittliche Gefälle auf der Fließstrecke zwischen Quakenbrück und der Einmündung in die Ems (10m ü. NN) beträgt nur 14 cm/km. Dies führte letztlich dazu, dass  sich die Hase bei Quakenbrück im Rahmen eines dort beginnenden Binnendeltas, dem Hasedelta, in die Große Hase und Kleine Hase verzweigt. Die Hase erhält hier auch zahlreiche kleine Zuflüsse.

Die „Hohe Hase“ und der „Sögelner Mühlenbach“ wurden künstlich angelegt und umfluten Gut Sögeln sowie die Klöster Malgarten und Lage. Die naturnahe „Tiefe Hase“ gabelt sich dann wiederum.

Unterhalb von Bramsche ist die Hase eingedeicht. Am Verteilerbauwerk wird  über den Zuleiter Wasser zum Alfsee abgeschlagen. Dieser wurde zum Schutz vor Hochwasserereignissen angelegt und ist zudem ein Freizeit- sowie EU-Vogelschutzgebiet. Informationen über die Entwicklung der Flusslandschaft durch uns Menschen werden anschaulich vermittelt der Storchenpfad Alfsee und das Natur- und Bildungszentrum am Alfsee.

Wehr der Hase in Menslage
Aus dem Buch „Entlang der Hase“ von Heinrich Böning: Typisches Hasewehr der Artländer Melioration. Es regelt den Wasserlauf der Kleine Hase in Menslage (um 1940).

Fehlende Überschwemmungsgebiete

Anfang des 20. Jahrhunderts taten sich im Artland Grundstückseigner zusammen und entwickelten ein ausgeklügeltes System vom Kanälen, Gräben und Schleusen zur Be- und Entwässerung, die Artländer Melioration. In Spitzenzeiten hielten bis zu 70 Schleusenwärter dieses System in Gang. Es wurden separate Gewässer zur Entwässerung der Flächen angelegt. Die eigentlichen Bäche wurden mit Dämmen versehen und konnten sich so eine vergleichsweise sehr gute Wasserqualität bewahren.

Bis in die 80er Jahre hinein sind die Hase und ihre Zuflüsse stark ausgebaut und begradigt worden. Die Besiedlung der Landschaft zog sich immer weiter in die Überschwemmungsgebiete. Heute zeigt sich die Hase daher in großen Bereichen sehr naturfern. Die Überfallhase vereinigt sich mit der Wrau zum Essener Kanal. Am Rand der Gemeinde Essen/Oldbg. mündet in diesen die aus dem Vechteraner Raum kommende Lager Hase. Der Calhorner und der Löninger Mühlenbach münden hiernach in die Hase.

Die Hase gibt einer Tourismusregion ihren Namen

Das Hasetal ist Mundraub-Region. Dies ist ein wichtiger Meilenstein zur Entwicklung nachhaltiger Konzepte für den Erhalt und die Förderung öffentlicher Obstbestände. Mehrere Jahrhunderte waren öffentliche Obstbaumalleen prägender Bestandteil unserer Kulturlandschaft. Heute geraten diese wunderschönen Bestände vielerorts in Vergessenheit und werden in absehbarer Zeit zu einem großen Teil verloren gehen. Das Projekt zeigt, dass Mundraub die Innovationskraft besitzt, schlummernde Potenziale ganzer Regionen zu wecken und innovative Ideen zur Regionalentwicklung und touristischen Erschließung anzustoßen. 2014 erhielt die erste Mundraub-Region Hasetal den 1. Preis des Deutschen Tourismusverbandes. Heute kann man hier einen Radurlaub auf Rezept machen.

Revitalisierung bis zum Ende

Altarme-Lahre+Lehrte-aktuell

Unterhalb von Herzlake fließt die Hase nach Einmünden von Südradde und Lager Bach durch Haselünne, wonach sie die Lotter Beeke aufnimmt. Etwas unterhalb von Haselünne münden nahe Hamm der Bawinkler Bach und zwischen Lehrte-Kreyenborg und Dörgen die Mittelradde und der Bleichenholter Graben in die Hase. Nach anschließendem Passieren von Bokeloh nimmt sie das Wasser des Teglinger Bachs auf. Südöstlich vom Meppener Emshafen, dessen Becken in einem Flussarm der Alten Hase liegt, mündet die Hase in den Dortmund-Ems-Kanal und nach etwa 600 m  in die Ems. Fluss und Kanal teilen sich also die mündungsnahe Fließstrecke. Das geringe Gefälle erklärt die relativ geringen Fließgeschwindigkeiten und damit die Neigung der mittleren und unteren Hase, Mäander zu bilden. Hier wurden die Haseauen großflächig revitalisiert und bieten unter anderem auch dem Biber wieder ein zu Hause. Ab Haselünne lassen sich die Mäander der Unteren Hase mit Ihrer Tier- und Pflanzenwelt wunderbar auf einer Kanu- oder Fahrradtour erleben.