Köcherfliegen lieben den Neuen Hase-Nebenarm bereits im Bau

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Angelverein engagiert sich für die Fließgewässerentwicklung in Gehrde –

Neuer Hasearm der NWA Gehrde Rüsfort Foto Poske Landschaftsbau
In Gehrde Rüsfort gelang es in einer breit aufgestellten Kooperation mit Unterstützung der Flurbereinigungsbehörde und in mehreren Projekten zwischen 1999 und 2012 eine 46 ha große Fläche auszudeichen und aus der intensiven Landwirtschaftlichen Nutzung zu nehmen. In mehrern Etappen fand auf den Flächen eine Absenkung des Bodens statt. Ebenso wurden Seitenarme, Blänken und Teiche, Extensivgrünländer und Röhrichte angelegt. Nur der nordwestliche Zipfel wurde bisher noch nicht abgesenkt.
Begeistert von dem erfolgreichen Auenprojekt wollte die Niedersächsisch-Westfälische Anglervereinigung e.V. kurz NWA, der die nördlichste Fläche gehört, nun auch dort durch einen Bodenabtrag um 1 m regelmäßige Überschwemmungen ermöglichen. Gleichzeitig sollte die Hase einen Nebenarm erhalten. Das Projekt stärkt die Lebensgemeinschaft der Haseaue und hier u.a. gezielt auch die Libellen und andere semiaquatische Insekten. Zudem wird der Lauf der Hase verlängert und naturnah strukturiert. Last but not least entstand hier zusätzlicher Retentionsraum. Ja, hier soll das Hochwasser sogar auf die Fläche gelangen.
Die Gemeinde Gehrde unterstützt das Vorhaben und stellte die eigene Fläche für das Projekt zur Verfügung. Geplant vor der Entstehung des Gewässerentwicklungsplanes Hase setzt dieses Vorhaben viele der im GEPL Hase geforderten Fließgewässerentwicklungsmaßnahmen zur Umsetzung der EU WRRL um.
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Beim hydraulisch nötigen Rückschnitt einiger Äste im neuen Hasearm wurde eine ganze Köcherfliegengesellschaft entdeckt.
Baustelle – Wasserstand 30 cm unter Mittelwasser
Kronenholz vor dem Rückschnitt

Die Köcherfliegen sind eher dämmerungsaktiv und mit den Schmetterlingen verwandt. Während das erwachsene Tier bei den meisten Arten nur 2 bis 4 Wochen lebt, tummeln sich die Raupen ähnelnden Larven unter Wasser. Als Schutz vor Fressfeinden bauen sich die meisten Köcherfliegenlarven eine transportable Wohnröhre, je nach Art aus Sandkörnern, Steinchen, Hölzern, Halmen oder gar Schneckenhäuschen. Sowohl für die Paarung und Eiablage als auch für den Schlupf der Larven benötigen Köcherfliegen Ufervegetation, Ufergehölze bzw. Totholzelemente, die in das Wasser hineinragen.

Ziel der NWA war es die Hase und ihre Auen in Gehrde Rüsfort zu revitalisieren, so dass nicht nur die Fischfauna, sondern auch Libellen und Köcherfliegen davon profitieren. Letztere haben ihre Zufriedenheit über die Wechselwasserzonen und die Strukturelemente, die Wasser und Land miteinander verbinden, nun bereits während der Bauphase gezeigt.

Hierzu wurde die vereinseigene Fläche samt der angrenzenden Fläche der Gemeinde Gehrde (insgesamt 2,5 ha) zunächst um 1m abgesenkt. Nun kann auch dieser Teil der Aue wieder regelmäßig bei Hochwasser überspült werden. Aus einem 1999 entstandenen Blinddarm-Gewässer wurde nun ein 480m langer Nebenarm der Hase heraus entwickelt. Hierbei wurden viele auetypische Strukturelemente wie Bermen, Prall- und Gleithang, Totholzelemente angelegt.

Bei dem sandgeprägten Tieflandfluss Hase wurden Faschinen genutzt, um die Profilierung des neuen Gewässers für die ersten Jahre zu stabilisieren. Später soll eine standorttypische Vegetation diese Aufgabe übernehmen. Hierzu hat die Bersenbrücker Jugendgruppe der NWA im November 2021 Uferstauden und Röhricht als Initialpflanzung gesetzt. Langfristig soll sich die Fläche eigendynamisch weiterentwickeln. Auf die abgesenkten Flächen wird im Frühjahr eine regionale Feuchtwiesen-Saatmischung ausgesät. Das Feuchtgrünland soll dann durch eine temporäre Schafsbeweidung gepflegt werden.

Die NWA wird bei diesem gewaltigen Vorhaben unterstützt durch den Haseauenverein, den die Gemeinde Gehrde, Landkreis Osnabrück, den NLWKN und viele mehr. Die Umsetzung der Erdarbeiten sowie der Gestaltung des Nebenarmes erfolgte durch die Firma Poske Garten- und Landschaftsbau. Die Einsaat sowie die Einzäunung wird von der Firma Dettmer Agrarservice übernommen. Die Finanzierung erfolgt zu 90 % über die Förderung der ländlichen Entwicklung durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) der Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen zur Förderung von Vorhaben der Fließgewässerentwicklung (FGE).